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  1. #81
    Tooraj hat diesen Thread gestartet
    Avatar von Tooraj
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    Zitat Zitat von Frosch Beitrag anzeigen
    Huhuuu! Geht´s hier vielleicht mal weiter? >%´(

    Der Strang darf jedenfalls nicht einschlafen, also unternimm´was, Tooraj. Erzähl´uns ne Episode aus´m Frankfurter Bahnhofsmilieu und dann leite sukzessive über zu diesem rekonstruierten Viertel, okay?

    Deine Idee mit den Gründerzeithäusern ist übrigens nicht schlecht und gelegentlich sieht man ja auch solche Bauten. Nicht historistisch überladen, sondern back to the roots-mäßich schlicht spätbiedermeierlich, eine Zeit zum Vorbild nehmend, in der die bürgerliche Architektur in vollstester Blüte stand und Neubauten sich noch harmonisch in ihr Umfeld fügten, anstatt dieses vorsätzlich und nachhaltig zu zerstören. >8´(
    Hm, ich bin ja nicht Architekt. Aber da es sich bei Architektur eben vorrangig um Kunst handelt, muss sie sich m.E. überhaupt nicht vor dem Begriff "Renaissance" scheuen. Auf die IT angewandt, wäre es fatal und tatsächlich "rückwärts gewandt", wenn wir jetzt sagen würden, wir wollen wieder Programme in Fortran oder Assembler schreiben. Niemand käme auf die Idee.
    Aber wir wollen durchaus, dass ein Haus so etwas wie Charakter besitzt. Ein viel zu teures, eigenwilliges Deckengemälde, einen Springbrunnen aus der Jugendstil-Zeit, eine Nymphe als Skulptur, bunte Glasfenster, einen altertümlichen Fahrstuhl mit Drahtgitter.

    Im übrigen sieht es so aus, dass die Gründerzeit-Architektur in Südeuropa zwar insgesamt beibehalten, aber dennoch modernisiert wurde, um mehr kleinere Wohnungen anzubieten. So wie hier:



    ( Über unser Haus habe ich erfahren: die einstigen, riesigen Etagen-Wohnungen wurden just im Jahr 1939 in drei Wohnungseinheiten aufgeteilt, und es war sehr schwierig, weil damals mit Kriegsbeginn das Baumaterial ausging. )

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  2. #82
    Bürgerrechtler >&´( Avatar von Frosch
    Nonkonformist...
     


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    Daß Architekten sich gerne als Künstler verstehen und gelegentlich sogar als von den üblichen Verdächtigen gefeierte "Stararchitekten" herumstolzieren, sollte nicht zu dem Fehlschluß verleiten, daß ihre Elaborate in irgendeiner Weise etwas mit Kunst zu tun haben. Vielleicht mit der Kunst, kulturfremde und renditeorientierte Bauherren zufriedenzustellen, mehr aber auch nicht.

    Nenne mir doch einfach einmal irgendeinen Baustil aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg, der sich nicht aus einfachen Anfängen zu höchster Blüte entwickelt hätte. Und dann vergleiche das mal mit dem Bauhaus-Stil. Einem anfangs durchaus berechtigten Aufräumen mit einem immer grotesker überladenen historisierenden Gründerzeitkitsch, der irgendwann an seine Grenzen gestoßen war und den letztlich keiner mehr zum Vorbild nehmen mochte. Ist es nicht so, daß die damalige neue Sachlichkeit und schlichte Funktionalität sich in genau entgegengesetzter Richtung weiterentwickelte und immer beliebiger, langweiliger und letztlich immer abstoßender wurde? Bauhaus funktioniert nur als schicke Villa im sommerlichen Grünen, nicht aber bei winterlichem Regen und schon gar nicht als urbaner Stil. Heraus kommt dabei immer eine sozialdemokratische oder sozialistische Massenmenschenhaltung in den bekannten standardisierten Rasterkäfigen. Und ich weiß, wovon ich rede, denn ich habe hier in Berlin in insgesamt vier gründerzeitlichen Backsteinbauten mit hohen Decken gewohnt und zwischendurch versehentlich einmal in einem extrem hellhörigen und spießigen 50er Jahre-Bau, in dem ich umgehend depressiv wurde. Jetzt geht´s wieder seitdem ich nun spätbiedermeierlich residiere, was mitten in Berlin sonst eher ein Traum bleiben muß. >8´)

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    Geändert von Frosch (28.06.2018 um 23:27 Uhr)
    „Es ist den Untertanen untersagt, den Maßstab ihrer beschränkten Einsicht an die Handlungen der Obrigkeit anzulegen.“
    (Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg nebst dessen aktuell tonangebenden Epigonen.)

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