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    Standard ESC: Warum die Verrückten gewinnen

    Deutschland ist Exportweltmeister. Deutschland kommt bei der Fussball-WM fast immer ins Halbfinale. Und dennoch kann der deutsche Interpret beim ESC seit Jahren relativ sicher damit rechnen, auf den hintersten Plätzen zu gelangen, komplett unterzugehen. Und jedesmal fragen sich die hiesigen Medien hinterher, ob der Interpret wirklich so schlecht war. Ob es bei der Abstimmung wirklich fair zu ging. Ob wir nicht verrückt genug sind. Ob Qualität überhaupt noch zählt.

    Genau das frage ich mich langsam auch. Dabei stand für mich ziemlich lange fest: ja, wir Deutschen sind beim ESC einfach zu schlecht. Gerade beim ESC letztes Jahr fiel es extrem auf: alles, was auch nur einen Komponisten aus Deutschland hatte, fiel gnadenlos durch. Deutsche oder von Deutschen mitproduziertes ist einfach zu mittelmässig, ihre Performances gehören seit Jahren zu den statischsten und verkrampftesten auf dem ESC, die Bühnendekorationen oder auch nur die Lichtauswahl hat oft die Qualität von abgelehnten Werbegrafikern. Und überhaupt: was verrücktes braucht man von den Deutschen nicht erwarten. Dabei bewiess kein geringerer als Stefan Raab mit seiner eigenen Performance, dass man damit ziemlich weit vorne landen kann.

    Dennoch gibt es beim ESC eine bemerkenswerte Regelmässigkeit, die nicht nur Deutschland betrifft: jede Nation, die über eine starke, sich selbst tragende, eigene Musikszene verfügt, ist beim ESC in letzter Zeit regelmässig ganz hinten dabei. Das betrifft, neben Frankreich, Spanien und Deutschland, selbst so einen Musikriesen wie Grossbritannien. Die beiden in den letzten 15 Jahren erfolgreichsten Nationen beim ESC, Schweden und die Ukraine, haben hingegen nicht nur die Farben in ihrer Nationalflagge gemeinsam, sondern auch die Tatsache, dass ihre ziemlich guten Musikszenen sich nicht selbst tragen können. Der Erfolg schwedischer Produzenten, den man inzwischen auch in Amerika so sieht und dessen Dienste von Ländern wie z.B. Aserbajdschan gerne angenommen werden, rührt zu grossen Teilen daher, dass diese von Anfang an international ausgerichtet sind. Das trifft noch viel mehr auf die Ukraine zu, die hin und her gerissen ist zwischen dem zahlungskräftigen Russland und dem faszinierenden Westen. Und selbst die unscheinbar kleine Nation Moldawien, an der Schnittstelle von Russland, Balkan und Westen, fällt beim ESC regelmässig durch Verrücktheiten und Top-Ten-Platzierungen auf.

    Vergessen wir also die Balkan-Connection, die seit Ewigkeiten nichts mehr reissen kann und der nicht nur ihre Gestrigkeit, sondern gerade ihre Homogenität im Weg steht. Der ESC soll einen, und da haben die Nationen, die am besten über den eigenen Tellerrand gucken können, die besten Chancen. Es tut sich allerdings beim ESC-Voting auch eine Struktur auf, die die Aussenseiter – und damit mein ich nicht nur die Verrückten, sondern auch die Unkonventionellen wie eben den Gewinner letzten Jahres, Salvador Sobral – eher bevorzugt. Und zum Teil scheint das sogar so gewollt zu sein.

    Da wäre zum einen die Konzentration auf den Einen. Letztes Jahr beispielsweise gab es beim ersten Vorausscheid mit Norma John aus Finnland einen Beitrag, den ich für fast genauso gut hielt wie den Siegerbeitrag. Ich sah sie ziemlich weit vorne. Doch sie fielen durch. Genauso wie dieses Jahr der m.E. ziemlich gute lettische Beitrag (Laura Rizzotto). Unverständnis gabs auch bei mir, dass Russland, die sich sonst immer für das Finale qualifizierten, es diesmal nicht schafften – obgleich der Beitrag Estlands im ersten Semifinale ähnlich und weitaus schlechter, vor allem statischer war.

    Als einen Grund vermute ich mal, dass jene, die über einen halbwegs guten Musikgeschmack verfügen, sich oft für einen Interpreten entscheiden. Salvador Sobral gewann im Vorentscheid 2017 gegen Norma John, weil er einfach mit seiner Art eher im Gedächtnis blieb. Und das hiess dann eben auch, dass jede Stimme, die sonst an dem Beitrag aus Finnland gegangen wären, an Sobral ging. Dass Beiträge, die weitaus schechter waren als Norma John, es ins Finale schafften, lag daran, dass diese überhaupt Stimmen bekamen, die ihnen aufgrund ihrer Nische niemand streitig machte.

    Einen weiteren Grund dafür bekam ich nur so nebenbei mit: man kann von jedem Handy aus knapp 20 Votes versenden. Im Grunde eine gute Sache: wenn man mehrere Titel gut findet, kann man die eben alle voten, die Votes sogar verschieden gewichten. Bei vernünftigen Wahlverhalten wäre Norma John damit durchgekommen. Doch machen wir uns nichts vor: was ein richtiger Fan ist, der gibt alle 20 Votes seinem Liebling. Man erreicht auch hier im wesentlichen , dass sich eher der Unkonventionelle durchsetzt.

    Auf der einen Seite ist das durchaus zu begrüssen. So bleibt der ESC spannend, man kann sich der Faszination dieses grössten Musikereignisses der Welt nur schwer entziehen, weil man nie weiss, was gewinnen wird. Laut oder leise? Verrückt oder konventionell? Modern oder altmodisch? Man weiss es nie, oft war der Sieger der Wettbüros nicht der wirkliche Sieger. Auf der anderen Seite leidet die Qualität darunter, weil nicht mehr der musikalische Beitrag und seine Homogenität entscheidend ist, sondern nur, wie sehr die Interpretation als Bühnenshow im Gedächtnis blieb.

    Dennoch muss ich auch gestehen: der Sieger des ESC ist selten wirklich schlecht. Bisher waren die Gewinner immer auch unter meinen Favoriten.

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    ..und ich dachte positiv überrascht , bis ich zu Deinem Link am Ende stieß, Du hättest den Text selber verfasst....Oder ist es DEIN Blog?

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    Heutige Deutsche sind doch meist keine Menschen mehr, sondern Maschinen.
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    Das ist schon MEIN Blog. Also ich hab das sehr wohl verfasst.

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    Zitat Zitat von Woppadaq Beitrag anzeigen
    Das ist schon MEIN Blog. Also ich hab das sehr wohl verfasst.
    Ok. ...........

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    Heutige Deutsche sind doch meist keine Menschen mehr, sondern Maschinen.
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  5. #5
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    Zitat Zitat von Bester Freund Beitrag anzeigen
    Ok. ...........
    Was hat dich denn überrascht? Dass ich Russland gut fand?

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